Skip to main content
DE / EN
A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z

Dr. Norbert Steger (*1944)

Bundesparteiobmann der FPÖ von 1980 bis 1986

Abgeordneter zum Nationalrat von 1979 bis 1986

Vizekanzler der Republik Österreich von 1983 bis 1987

Landesparteiobmann der FPÖ Wien von 1977 bis 1987


Dr. Norbert Steger prägte die Parteigeschichte der FPÖ in den 1970er und 1980er Jahren wesentlich mit. Er führte die FPÖ erstmals in eine Bundesregierung: 1983 wurde er V
izekanzler und Handelsminister in einer Koalitionsregierung mit der SPÖ. Als Vorsitzender des "Atterseekreises" gestaltete er auch die programmatische Entwicklung der FPÖ entscheidend mit.

Kurzbiografie

Norbert Steger wurde am 6. März 1944 in Wien geboren. Nach der Volksschule besuchte er von 1954 bis 1959 die Untermittelschule der Wiener Sängerknaben und ab 1959 die  Bundeslehrerbildungsanstalt, wo er 1964 maturierte. Ab 1964 studierte Steger Rechtswissenschaften und promovierte 1970 an der Universität Wien. 1975 eröffnete er seine eigene Rechtsanwaltskanzlei.

Seine politische Laufbahn begann Norbert Steger im Jahr 1965 als stellvertretender Vorsitzender des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS). 1970 trat er der FPÖ bei und wurde Bezirksparteiobmann in Wien-Hernals. 1970 war er auch einer der Mitbegründer des sogenannten „Atterseekreises“, der sich als Denkfabrik und ideologisches Gegengewicht zum deutschnationalen Lager innerhalb der Freiheitlichen verstand. Damit war Norbert Steger eher im liberalen Flügel der FPÖ zu verorten.

1975 wurde Norbert Steger stellvertretender Obmann der FPÖ Wien und 1977 übernahm Steger auch den Vorsitz über die Wiener FPÖ. Nachdem Alexander Götz von der Parteispitze abgetreten war, kandidierte Steger im März 1980 bei einem Außerordentlichen Bundesparteitag in Linz als Parteichef und gewann die Wahl zum Bundesparteiobmann gegen den späteren Justizminister Harald Ofner. Bereits kurz zuvor war Steger für seine Partei in den Nationalrat eingezogen.

Bei der Nationalratswahl im April 1983 konnte die FPÖ zwar nicht wirklich reüssieren und gewann nur einen Sitz hinzu. Damit kam die FPÖ auf 12 Nationalratsabgeordnete. Gleichzeitig verlor die SPÖ unter Bundeskanzler Bruno Kreisky allerdings die absolute Mehrheit. Dieser Umstand veranlasste die SPÖ, eine Koalition mit den Freiheitlichen einzugehen, was als ein Erfolg für Norbert Steger gewertet wurde. Es kam zur Bildung einer Kleinen Koalition unter SPÖ-Bundeskanzler Fred Sinowatz, die erste und bis dato letzte rot-blaue Koalition im Bund. Gleichzeitig war dies auch die erste Regierungsbeteiligung der FPÖ auf Bundesebene. Norbert Steger selbst wurde Vizekanzler und Handelsminister. Die Freiheitlichen stellten zudem den Justiz- und den Verteidigungsminister sowie drei Staatssekretäre.

Doch die Zusammenarbeit mit der SPÖ endete schon 1986 – zeitgleich mit dem Aufstieg des Kärntner FPÖ-Landesparteiobmannes Jörg Haider innerhalb der FPÖ. Einerseits hatte die rot-blaue Koalition mit erheblichen Problemen zu kämpfen – zu nennen ist etwa die Finanzierung der Pensionsversicherung, die prekäre Lage der Verstaatlichten Industrie oder die Besetzung der Hainburger Au wegen dem geplanten Bau eines Wasserkraftwerks – ; andererseits verschlechterten sich die Umfragewerte der FPÖ und führten in der Partei zu einem Richtungsstreit. Schließlich kam es auf dem 18. Ordentlichen Bundesparteitag im September 1986 in Innsbruck zu einer Kampfabstimmung, bei der Norbert Steger seinem innerparteilichen Herausforderer Jörg Haider unterlag. Der neue SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky kündigte daraufhin unter Hinweis auf einen „Rechtsruck“ der FPÖ die Koalition auf, und Neuwahlen waren die Folge. Norbert Steger schied Ende Dezember 1986 aus den Reihen der freiheitlichen Abgeordneten im Nationalrat und im Jänner 1987 auch als Vizekanzler und Minister aus. Norbert Steger zog sich danach weitgehend aus der aktiven Politik zurück.

Anfang der 1990er Jahre trat Steger aus Protest gegen den damaligen Bundesparteiobmann Jörg Haider aus der FPÖ aus. Danach widmete er sich  seiner wieder gegründeten Rechtsanwaltskanzlei. Mit der Abspaltung des BZÖ von der FPÖ im Frühjahr 2005 rückte Steger wieder näher an seine ehemalige Partei heran. Im Jahr 2006 nahm Norbert Steger die Einladung zur 50-Jahr-Feier der FPÖ an, wobei der öffentliche Auftritt des ehemaligen Vizekanzlers auch Symbolkraft bezüglich der Aussöhnung Stegers mit der FPÖ hatte. Im Zuge der Annäherung wurde sein Parteiaustritt auch in einem Vier-Augen-Gespräch mit dem neuen FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache rückgängig gemacht. Steger beriet den neuen Parteichef in weiterer Folge auch in Wirtschafts- und Europafragen. Im Jahr 2008 schließlich entsandte die FPÖ Norbert Steger in den ORF-Stiftungsrat. Im Mai 2018 wurde Steger zum Stiftungsratsvorsitzenden des ORF gewählt.

HIER GEHT ES ZUM VIDEO:  Steger und das sozialliberale Experiment

Wesentliche politische Funktionen

1965                Vorsitzender-Stellvertreter des Ringes Freiheitlicher Studenten Wien

  Mandatar der Österreichischen Hochschülerschaft

1970                Gründungsmitglied des „Atterseekreises“ in der FPÖ

1975–1977      Landesparteiobmann-Stellvertreter der FPÖ Wien

1977–1987      Landesparteiobmann der FPÖ Wien

1979–1986      Abgeordneter zum Nationalrat

1983–1987      Vizekanzler

1983–1987      Bundesminister für Handel, Gewerbe und Industrie

1978–1980      Bundesparteiobmann-Stellvertreter

1980–1986      Bundesparteiobmann der FPÖ

Seit 2008         ORF-Stiftungsrat

Weblinks zur Person

Norbert Steger auf der Parlaments-Homepage:
https://www.parlament.gv.at/WWER/PAD_01832/index.shtml

Norbert Steger im Internetportal der Stadt Wien:
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Norbert_Steger

 

© 2021 Freiheitliches Bildungsinstitut. Alle Rechte vorbehalten.