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Friedrich Peter (1921–2005)

Gründungsmitglied der FPÖ

Bundesparteiobmann der FPÖ von 1958 bis 1978

Abgeordneter zum Nationalrat von 1966 bis 1986

Obmann des Klubs der Freiheitlichen Partei Österreichs von 1970 bis 1986 (kurzzeitig geschäftsführender Obmann des Klubs der Freiheitlichen Partei Österreichs 1979)

 

Friedrich Peter gehört zur „Gründergeneration“ der FPÖ und war von 1958 bis 1978 Bundesparteiobmann der FPÖ. Damit ist er bis heute der Bundesparteiobmann mit der längsten Amtszeit in der Geschichte der Freiheitlichen Partei Österreichs. Friedrich Peter führte die Partei aus der innenpolitischen Isolation heraus und war für sechs Gesetzgebungsperioden Abgeordneter im Nationalrat. Weiters war Peter auch langjähriger Obmann des Klubs der Freiheitlichen Partei Österreichs im Parlament sowie Landesparteiobmann der FPÖ Oberösterreich und Mitglied des Kuratoriums des Österreichischen Rundfunks.

Kurzbiografie

Friedrich Peter wurde am 13. Juli 1921 im oberösterreichischen Attnang-Puchheim geboren. Seine Mutter stammte aus dem bürgerlichen Haus eines Bäckermeisters. Sein Vater war Lokomotivführer und gehörte dem Republikanischen Schutzbund der Sozialdemokratie an. Die Jugendeindrücke von Peter wurden daher auch stark von den österreichischen Bürgerkriegsereignissen der damaligen Zeit geprägt. Als Jugendlicher erlebte er den „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland und nahm schließlich als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Peter war von 1941 bis 1945 an der Westfront und an der Ostfront eingesetzt. Nach dem Krieg wurde Peter Volksschullehrer, wobei er seine Ausbildung zum Lehrer im Bischöflichen Lehrerseminar in Linz erhalten hatte. Peter hatte eine Lehrbefähigungsprüfung für Volks-, Haupt- und Sonderschulen absolviert und übte diesen Beruf bis 1968 aus. Ab 1968 war er Landesschulinspektor für allgemeine Pflichtschulen in Oberösterreich. In diesem Zusammenhang wurde ihm auch der Titel eines Hofrats verliehen.

Mit der Gründung der Freiheitspartei im Februar 1955 trat Friedrich Peter erstmals als Politiker in Erscheinung. Die Freiheitspartei war unter dem Vorsitz des späteren FPÖ-Obmanns Anton Reinthaller gegründet worden. Sie sollte als Sammelbecken für eine Neuformierung des deutschnationalen Lagers in Österreich dienen sowie eine Alternative für die Nationalliberalen zum – 1949 gegründeten – Verband der Unabhängigen (VdU) bieten. Die führenden Exponenten der Freiheitspartei waren neben dem Oberösterreicher Anton Reinthaller auch Friedrich Peter und Emil van Tongel. Vor allem Friedrich Peter stand Reinthaller sehr nahe. Nach Richtungsstreitigkeiten innerhalb des VdU – der seit 1949 auch im Nationalrat vertreten war – einigten sich der VdU unter dem Obmann Max Stendebach und die Freiheitspartei von Anton Reinthaller auf den Zusammenschluss zur FPÖ. Der Grundstein für die Entstehung der FPÖ wurde dabei durch eine Vereinbarung am 17. Oktober 1955 gelegt. Damit war Friedrich Peter gemeinsam mit Anton Reinthaller auch maßgeblich an der Gründung der FPÖ beteiligt. Zusätzlich agierte Peter auch als Gründungsobmann der FPÖ in Oberösterreich, die er von 1955 bis 1971 leitete. Im Herbst 1955 zog Friedrich Peter zudem als Abgeordneter – zunächst im Rahmen einer „Freiheitlichen Wahlgemeinschaft“ zwischen der Freiheitspartei, dem VdU und Parteilosen anlässlich der oberösterreichischen Landtagswahlen – in den oberösterreichischen Landtag ein. Diesem gehörte er bis 1966 an.

Nach dem Tod von Anton Reinthaller wurde Friedrich Peter im September 1958 zum Bundesparteiobmann der FPÖ gewählt. Peter war gerade 37 Jahre alt, als er die Parteiführung übernahm. Ungewöhnlich war außerdem, dass Friedrich Peter in der ersten Phase seiner Obmannschaft kein Nationalratsabgeordneter war und lediglich im oberösterreichischen Landtag saß. Trotzdem konnte Peter die FPÖ konsolidieren und stellte beim Aufbau der Organisation auch eine enge Zusammenarbeit mit den Landesparteiobmännern her.

Das erste Antreten von Friedrich Peter als FPÖ-Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl im Mai 1959 bedeutete einen kleinen Wahlerfolg für die Partei. Die Freiheitlichen kamen auf 7,70 Prozent, wobei dies ein Zuwachs von 1,18 Prozentpunkten war. Die FPÖ erzielte mit über 330.000 Stimmen acht Sitze im Nationalrat, was einer Steigerung um zwei Mandate entsprach. Eines der wichtigsten Ziele Peters, der eine Strategie der Liberalisierung seiner Partei verfolgte – später erfolgte mit seiner Unterstützung auch die Gründung des „Atterseekreises“ als Denkfabrik für junge Intellektuelle innerhalb der Partei – , war die Koalitionsfähigkeit und damit eine Regierungsbeteiligung der FPÖ. Dadurch kam es in den 1960er Jahre auch zu einer Annäherung der Freiheitlichen an die Sozialisten. Gleichzeitig etablierte sich die FPÖ als Kontrollpartei im Parlament und spielte unter anderem während der Habsburg-Krise rund um die Einreise des früheren Kronprinzen Otto von Habsburg erstmals eine Schlüsselrolle im politischen Entscheidungsprozess. Bei der Nationalratswahl im März 1966 konnte die FPÖ allerdings nur 5,35 Prozent der Wählerstimmen erringen und verlor zwei Mandate. Damit war die FPÖ mit nur mehr sechs Abgeordneten im Nationalrat vertreten. Trotzdem zog Friedrich Peter am 30. März 1966 als Abgeordneter in den Nationalrat ein und wurde vier Jahre später Obmann des parlamentarischen Klubs der Freiheitlichen Partei Österreichs. Im Parlament fungierte er außerdem als Schulsprecher der FPÖ.

Friedrich Peter führte die FPÖ auch in den Wahlkampf für die Nationalratswahl im März 1970. Bei dieser Wahl konnten die Freiheitlichen nach einer Wiederholungswahl im Oktober 1970  ihre sechs Mandate im Nationalrat halten. Gleichzeitig erzielten die Sozialisten bei der Wahl 1970 aber die relative Mehrheit und der SPÖ-Vorsitzende Bruno Kreisky bemühte sich um die Duldung einer sozialistischen Minderheitsregierung durch einen Partner im Nationalrat. In dieser Situation entschloss sich Friedrich Peter zur Unterstützung einer SPÖ-Minderheitsregierung unter Bundeskanzler Bruno Kreisky mit den Stimmen der FPÖ-Abgeordneten. Die sozialistische Minderheitsregierung hielt rund eineinhalb Jahre bis zur Nationalratswahl 1971. Im Gegenzug für die Unterstützung durch die Freiheitlichen war die SPÖ zu einer Wahlrechtsreform bereit, die der kleinen Oppositionspartei entgegenkam. Als es auf der Basis der neuen Wahlordnung zu Nationalratswahlen im Oktober 1971 kam, konnte die FPÖ ihre Mandatszahl im – zahlenmäßig von 165 auf 183 vergrößerten – Plenum von sechs auf zehn erhöhen. Peter pflegte in den Jahren der SPÖ-Alleinregierung ein positives Verhältnis zur sozialistischen Partei und hatte auch persönlich ein gutes Einvernehmen mit Bruno Kreisky.

Bei der Nationalratswahl im Oktober 1975 trat Friedrich Peter zum letzten Mal als Spitzenkandidat für die FPÖ an, wobei die Freiheitlichen rund 5,41 Prozent erzielten und weiterhin über zehn Abgeordnete im Nationalrat verfügten. In weiterer Folge erklärte Friedrich Peter auch, dass er kein weiteres Mal als Parteiobmann der FPÖ kandidieren werde. Im Jahr 1978 übergab Peter schließlich die FPÖ-Obmannschaft an den Grazer Bürgermeister Alexander Götz. Friedrich Peter blieb jedoch – abgesehen von einigen Monaten im Jahr 1979, in denen Alexander Götz die Funktion des freiheitlichen Klubchefs übernommen hatte – weiterhin Obmann des Klubs der FPÖ im Parlament. Nach der Nationalratswahl 1983, bei der die SPÖ die absolute Mehrheit verlor, ging Peters Taktik der Annäherung an die Sozialdemokraten auf: Mit Bruno Kreisky handelte der freiheitliche Langzeit-Klubchef die Modalitäten einer Kleinen Koalition aus. Es kam zu einer SPÖ-FPÖ-Bundesregierung unter Fred Sinowatz als Bundeskanzler und FPÖ-Chef Norbert Steger als Vizekanzler.

Im Frühjahr 1986 schied Friedrich Peter aus dem Nationalrat aus. Sein Nachfolger als Klubobmann der FPÖ im Parlament wurde der bisherige Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager. Auch nach seinem Rückzug sprach sich Friedrich Peter für die Fortsetzung der Kleinen Koalition mit der SPÖ aus und forderte die Freiheitlichen auf, die „historische Chance“ der erstmaligen Regierungsbeteiligung zu nützen. Die Wahl von Jörg Haider zum neuen FPÖ-Obmann im September 1986 in Innsbruck beendete allerdings einerseits die rot-blaue Bundesregierung und führte andererseits auch zu Verstimmungen zwischen Friedrich Peter und der Partei. Friedrich Peter legte alle Funktionen in der Partei zurück und bezeichnete sich danach nur mehr als einfaches Parteimitglied. In weiterer Folge bedauerte er auch das Ende der SPÖ-FPÖ-Koalition. Peter sprach in diesem Zusammenhang von dem „gescheiterten Experiment“ einer sozial-liberalen Koalition. 1992 erfolgte schließlich der Austritt von Friedrich Peter aus der FPÖ aufgrund des Kurses der Freiheitlichen in der Europapolitik. Auch nach seinem Austritt blieb das Verhältnis von Peter zu seiner ehemaligen Partei gespannt. Friedrich Peter verstarb am 25. September 2005 in Wien.

 

Wesentliche politische Funktionen

1955–1971      FPÖ-Landesparteiobmann von Oberösterreich

1955–1966      Abgeordneter zum oberösterreichischen Landtag

1958–1978      Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs

1966–1986      Abgeordneter zum Nationalrat

1970–1986      Obmann des Klubs der Freiheitlichen Partei Österreichs

Weblinks zur Person

Friedrich Peter auf der Parlaments-Homepage:
https://www.parlament.gv.at/WWER/PAD_01184/index.shtml

Friedrich Peter auf den Seiten des Landes Oberösterreich:
https://e-gov.ooe.gv.at/biografien/Start.jsp?param=extern&personId=916

 

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