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Dr. Otto Scrinzi (1918–2012)

Abgeordneter zum Nationalrat von 1966 bis 1979

Bundesparteiobmann-Stellvertreter der FPÖ von 1966 bis 1974

Obmann-Stellvertreter des Klubs der Freiheitlichen Partei Österreichs 1977

 

Dr. Otto Scrinzi engagierte sich bereits im Verband der Unabhängigen (VdU) und saß später 13 Jahre lang für die FPÖ im Nationalrat. Zudem war er acht Jahre lang stellvertretender FPÖ-Parteichef. Im Jahr 1986 trat Otto Scrinzi als unabhängiger Kandidat bei den Bundespräsidentenwahlen in Österreich an.

Kurzbiografie

Otto Scrinzi wurde am 5. Februar 1918 in Lienz in Osttirol geboren. Nach der Volksschule besuchte Scrinzi das Gymnasium und absolvierte im Jahr 1936 die Matura. 1941 promovierte er zum Doktor der Medizin und wurde anschließend von der deutschen Wehrmacht eingezogen. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Truppenarzt unter anderem in Russland, Griechenland und Jugoslawien. 1947 trat er in den Dienst des Klagenfurter Landeskrankenhauses als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie ein. Als ausgebildeter Nervenfacharzt erhielt er im Jahr 1955 schließlich eine Stellung als Primararzt an der psychiatrischen Männerabteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt und erstellte als Psychiater auch Gerichtsgutachten. Nebenbei war Otto Scrinzi kurzzeitig Funktionär der Ärztekammer und in den 1970er Jahren auch Lehrbeauftragter an der Universität Graz. Durch seine ärztliche Tätigkeit galt Scrinzi innerhalb der FPÖ vor allem als Experte für Gesundheitspolitik.

Politisch startete Otto Scrinzi seine Laufbahn nach dem Krieg als Gründungsmitglied des Verbands der Unabhängigen (VdU). Er wirkte im Jahr 1949 beim Aufbau des VdU-Landesverbandes in Kärnten mit. Bei der Kärntner Landtagswahl 1949 wurde er als Kandidat auf der WdU-Liste – bei Wahlen kandidierte der VdU aus rechtlichen Erwägungen als „Wahlpartei der Unabhängigen“ (WdU) – in den Kärntner Landtag gewählt. Diesem gehörte Otto Scrinzi als Abgeordneter von 1949 bis 1956 durchgehend an. Im Jahr 1952 wurde er zusätzlich zum Landesverbandsobmann des VdU gewählt, und bekleidete dieses Amt bis 1953. Allerdings zog sich Otto Scrinzi wegen eines politischen Richtungsstreits in der Kärntner VdU-Führungsspitze aus dem Verband der Unabhängigen zurück und schied im Frühjahr 1955 auch aus dem WdU-Landtagsklub aus. Anschließend verblieb Scrinzi noch bis 1956 als parteiloser Abgeordneter im Kärntner Landtag.

In den 1960er Jahren kehrte Otto Scrinzi – diesmal für die FPÖ – in die Politik zurück und zog in weiterer Folge im Jahr 1966 als freiheitlicher Abgeordneter für Kärnten in den Nationalrat in Wien ein. Diesem gehörte er vom März 1966 bis zum Juni 1979 als FPÖ-Mandatar an. Als Nationalratsabgeordneter war Scrinzi auch Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, außenpolitischer Sprecher, Südtirol-Sprecher und für kurze Zeit Sprecher für soziale Angelegenheiten. Im Jahr 1977 wurde er darüber hinaus zum stellvertretenden Klubobmann der freiheitlichen Fraktion im Parlament gewählt. Gleichzeitig amtierte Otto Scrinzi von 1966 bis 1974 als stellvertretender FPÖ-Chef. Außerdem war Scrinzi 14 Jahre lang Delegierter in der Beratenden Versammlung des Europarates und in der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Zusätzlich wirkte er als Vorstandsmitglied der Österreichisch-Koreanischen Gesellschaft.

Otto Scrinzi galt zeitlebens als entschiedener Vertreter des nationalen Lagers innerhalb der Freiheitlichen und hatte seit dem Ende der 1970er Jahre ein eher angespanntes Verhältnis zur damaligen liberalen FPÖ-Führung unter Parteiobmann Norbert Steger. 1984 gründete Scrinzi etwa die „National-Freiheitliche Aktion“ (NFA). Nach der Wahl Jörg Haiders zum Parteichef söhnte sich Otto Scrinzi mit der Partei wieder aus.

Anlässlich der Bundespräsidentenwahl im Frühjahr 1986 stellten die Freiheitlichen keinen eigenen Kandidaten auf. In dieser Situation strebte Otto Scrinzi eine unabhängige Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten an. Die Mitbewerber waren Kurt Steyrer von der SPÖ, Kurt Waldheim von der ÖVP und Freda Meissner-Blau von den Grünen. Beim ersten Wahlgang im Mai 1986 erreichte Otto Scrinzi als Kandidat ohne Partei 55.724 Stimmen und damit rund 1,18 Prozent. Allerdings konnte sich Scrinzi mit diesem Ergebnis nicht für den zweiten Wahlgang qualifizieren, wobei diesen Kurt Waldheim für sich entschied.

Auch nach seinem Ausscheiden als aktiver Politiker engagierte sich Otto Scrinzi bis ins hohe Alter in der FPÖ. So gründete er zusammen mit der Kärntner FPÖ-Altpolitikerin Kriemhild Trattnig und ihrem Bruder Alois Huber sowie dem Publizisten Andreas Mölzer die „Plattform Kärntner Freiheitliche für die Einheit der FPÖ“, um eine eigene Kärntner FPÖ-Landesgruppe nach der Abspaltung des Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) zu erhalten. Otto Scrinzi verstarb am 2. Jänner 2012 im Alter von 93 Jahren in Moosburg in Kärnten.

Wesentliche politische Funktionen

1949–1956Abgeordneter zum Kärntner Landtag (WdU)
1949–1952

Klubobmann-Stellvertreter der WdU-Fraktion im Kärntner Landtag

1952–1953Klubobmann der WdU-Fraktion im Kärntner Landtag
1952–1953Landesverbandsobmann des VdU
1966–1979Abgeordneter zum Nationalrat
1966–1974Bundesparteiobmann-Stellvertreter der FPÖ
1967–1968Mitglied des Gemeinderats von Klagenfurt
1977–1977Obmann-Stellvertreter des Klubs der Freiheitlichen Partei Österreichs
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