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16. September 1993

Kornblume und Kaiseradler

Die deutschfreiheitlichen Parteien Altösterreichs

Titel: Kornblume und Kaiseradler: Die deutschfreiheitlichen Parteien Altösterreichs 1882-1918
Autor: Prof. Dr. Lothar Höbelt
Verlag: Wien, Böhlau
Erscheinungsjahr: 1993
Taschenbuch: 387 Seiten 

ISBN-13 : 978-3702803209

 

Inhalt

Das Buch beginnt zeitlich im Jahr 1879, in dem die Okkupation Bosnien-Herzegowinas den Rücktritt des liberalen Kabinetts veranlasst hatte und behandelt die Parteiengeschichte sehr umfassend bis zum Ende der Monarchie.

Der Autor, Prof. Dr. Lothar Höbelt, bezieht sich ausführlich auf das Thema der Organisationsgeschichte, wie vor allem Parteienbildungen, Trennungen sowie Zusammenschlüsse dieser, die personelle Basis, die politischen Erfolge bei den Wählern (die Wahlergebnisse werden einerseits im Text und andererseits im sogenannten „Statistischen Anhang“ präsentiert) und die Rolle der Parteien in einigen Sternstunden der politischen Geschichte, im Sinne von Bekanntheit und Wichtigkeit. Hierbei stellen Bildung, Zerfall und Umwandlung der Parteien, die sich um Reichsratssitze bewarben, das Handlungsgerüst dar.

Es werden eine Vielzahl an Gruppierungen behandelt, wie die Vereinigte Linke aus 1881, die 1885 in den Deutschösterreichischen Club und den Deutschen Club zerfiel und 1988 wieder zur Vereinigten Deutschen Linken fusionierte, aus der wiederum 1896 die Deutsche Fortschrittspartei und 1897 die altliberale Freie deutsche Vereinigung (bis 1907) und der Verfassungstreue Großgrundbesitz (beendet mit der Wahlreform 1906/07) hervorgingen, wobei die Fortschrittspartei im Deutschen Nationalverband endete. Ebenso endete die 1887 vom Deutschen Club abgespaltene Deutschnationale Vereinigung - ab 1891 „Deutsche Nationalpartei“ und ab 1895 „Deutsche Volkspartei“ genannt - unter Führung Otto Steinwenders im Deutschen Nationalverband. Zu den weiteren Gruppierungen zählen die Deutsche Arbeiterpartei, die Deutsch-österreichische Gewerbepartei, die Deutsche Agrarpartei und die Jungdeutsche Vereinigung, die 1912 gebildet und 1914 in „Deutschvölkische Vereinigung“ umbenannt wurde. Der Deutsche Nationalverband war schließlich die Vereinigung der freiheitlichen Fraktionen und Abgeordneten im Reichsrat, die sich nach und nach ab den Wahlen von 1907 gebildet hatte. Zum einen Teil blieben Fraktionen daneben auch weiterhin für sich bestehen (wie die Deutschradikalen und die Deutsche Arbeiterpartei), zum anderen Teil gingen sie im Nationalverband auf (wie die Fortschrittlichen und die Deutsche Volkspartei) und darüber hinaus gab es auch Fraktionsgründungen innerhalb des Nationalverbands.

Abgesehen von der Darstellung der Organisationsgeschichte richtet sich der weitere Verlauf des Buches nach chronologischen Gesichtspunkten, wobei jene Fragen im Vordergrund stehen, die für die Parteiengeschichte von größerer Bedeutung waren. Es handelt sich dabei um die Ära Taaffe, die Jahre der Koalition und der Regierung Badeni (1893-1897), die Ära von den Badeni-Sprachverordnungen bis zum Ende der Regierung Koerber (1897- 1904), die Ära von der Regierung Gautsch bis zum Ersten Weltkrieg. Dazwischen eingeschoben befinden sich Kapitel über die Basis der Deutschnationalen, über den Zerfall der Vereinigten Deutschen Linken, über „Wirtschaft und Politik“ – darin wird manch Inhalt den bereits angeführten Parteien gewidmet -  und ein übergreifender Abschnitt über „Die Deutschfreiheitlichen und das Habsburgerreich am Ende einer Epoche“.

Bei der Geschichtsaufarbeitung liegt der Fokus des Autors auf der politischen Entwicklung, wobei auch sozialgeschichtliche Bezüge unter anderem im Abschnitt über die Basis der Deutschnationalen zu finden sind. Auch auf die Burschenschaften und ähnliche Vereinigungen wird eingegangen. Der Begriff des „Paradigmenwechsels“, der hier im gegebenen Zusammenhang im politischen Handeln den Übergang von einer „weltanschaulichen“ zu einer „gesellschaftspolitischen“ Orientierung und umgekehrt bezeichnet, wird des Öfteren verwendet. Diese wissenschaftliche Arbeit macht jedenfalls offensichtlich, dass in der erforschten Zeitspanne gerade im freiheitlichen Lager eine auffallend große Zahl von Parteien gegründet wurde.

Warum wir dieses Buch an dieser Stelle empfehlen

Das umfangreiche Parteiensystem im Habsburgerreich, das seinem Ende entgegen ging, ist für Nichtspezialisten nur sehr schwer zu überblicken. Das mag nicht nur daran liegen, dass die Parteien in sich ganz anders strukturiert waren als die heutigen österreichischen Parteien, sondern auch daran, dass es eine Vielzahl an Gruppierungen von gewisser Bedeutung sowie Parteienspaltungen und -fusionen gab. Darüber hinaus fanden inhaltliche Änderungen bei diesen sowohl in der Programmatik als auch im politischen Agieren statt. Im national-liberalen Bereich präsentieren sich diese Schwierigkeiten besonders ausgeprägt.

Prof. Dr. Lothar Höbelt, Dozent am Institut für Geschichte der Universität Wien, bietet mit seinem Werk, das die historischen politischen Entwicklungen Altösterreichs zwischen 1882 und 1918 sehr detailreich darstellt, eine Rarität an politik-geschichtlicher Aufarbeitung des sich dem Ende zuneigenden Habsburgerreichs. Wer in die Tiefe dieser Materie eintauchen möchte, womöglich vorwissenschaftliches Interesse hat und eventuell dazu weitere Untersuchungen anstellen oder Erklärungsansätze für Entscheidungsprozesse erforschen möchte, wird die Lektüre dieses Buches eine bereichernde Erkenntniserweiterung bringen.     

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